Rückkehrbericht
Ich bin seit dem 6. September wieder zurück in Deutschland und ich gewöhne mich derzeit wieder an den deutschen Rhythmus.
Für meine Verabschiedung hatte ich mir knapp 2 Wochen Zeit genommen, um mich von allen Leuten in meinem Dorf, in dem ich ein Jahr gelebt habe, zu verabschieden. Ich habe ganz offen über meinen Abschied geredet und bin deshalb bei vielen lieben Leuten aus dem Dorf noch vorbei und habe mit ihnen Mate getrunken oder einfach mit ihnen Zeit verbracht zum reden. Anfangs wollte ich nichts über mein Abschied hören, doch sehr schnell empfand ich es für wichtig, dass man offen darüber spricht, um sich mental auf den Abschied vorzubereiten. Ein Abschied nach einem Jahr, bei dem man viele Menschen kennenlernen durfte und Freundschaften geschlossen hat, fällt nicht leicht, da man weiss, dass es eine Weile dauert bis man wieder zurück kommt zu diesen Leuten ins Dorf.
Vor meiner Verabschiedung wurde in der Pfarrei der Tag des Kindes gefeiert. Zu dem waren alle Kinder des Dorfes eingeladen. Geboten wurden Verlosungen von Preisen, Spiele in Form von einer Olympiade, eine Hüpfburg und natürlich mit Musik und sogar 2 Clown, die die Kinder unterhielten.
Es wurde auch Heiße Schokolade und eine Art von Berlinern gerichtet für rund 1000 Kinder. Alles wurde geleitet von der Jugendgruppe, die sich erst vor kurzem neu formiert hatte. Dann war der ganze Tag viel los, aber besonders schön war zu sehen, mit welchem Enthusiasmus die Kinder bei allem mitgemacht haben.
Bei meiner Verabschiedung vor der Gemeinde gab es zuerst eine Dankesmesse, in der für meine Arbeit und mein Mitleben gedankt wurde und ich mich von allen verabschiedet habe. Die Messe war in einem sehr familiären Ambiente gestaltet mit Liedern, schönen Texten und ich durfte auch ein paar Worte an alle sagen. Danach ging es in unseren Pfarrsaal, um dort in gemütlicher Runde meinen Abschied zu feiern. Dafür wurden Pizza, Empanadas, Sandwiches und sogar eine Torte gerichtet. Jede Gruppe, wie Caritas, Ministranten oder Liturgiegruppe, in der ich mitgearbeitet habe, hatte ein kleines Geschenk, um mir für meine Mitarbeit zu danken. Alle Geschenkchen waren typische Gegenstände aus der Region, wie Kleidungsstücke für einen Gaucho (der südamerikanische Cowboy) oder etwas aus Holz. Es wurde bis spät gelacht, gefeiert und getanzt.
Nach meiner Verabschiedung packte ich meine 7 Sachen und an meinem Abreisetag begleiteten mich alle meine Freunde zur nächsten Stadt bis zum Busbahnhof, um sich von mir zu verabschieden. Ein Abschied, bei dem auch so manche Träne floss. So fuhr ich nach Buenos Aires, um mich dort am Flughafen „einzuschiffen“.
In Deutschland angekommen, wurde ich von meiner Familie sehr herzlich empfangen mit einem Mittagessen und der Freude, dass ich wieder zurück bin. Doch nach einem Jahr im Ausland ist ein Wiedereinleben nicht einfach, da der Rhythmus anders ist und vor allem die Zeitumstellung mit einem anderen Tagesablauf macht einem doch ziemlich zu schaffen. Doch ich habe mir für die ersten 3 bis 4 Wochen vorgenommen, nur das zu tun, das ich machen möchte. Das wichtigste für mich ist, dass ich nichts planen möchte und spontan nach Lust und Laune meinen Tag gestalten werde. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass ich mich auf meine Familie und Freunde gefreut habe und auch jetzt noch freue. Mir ist es wichtig, dass ich mit ihnen Zeit verbringe, mit ihnen rede und mich einfach austausche, bevor mein Studium in Freiburg an der Universität beginnt.
Aus Argentinien habe ich gelernt, dass man auch manche Dinge liegen lassen kann, um mit Freunden weg zu gehen oder auch mal für sich Zeit zu nehmen. Es ist auch wichtig offen zu sein und gerne mit Menschen unterwegs zu sein. Es ist gut, abends mit Freunden wegzugehen, um etwas zu trinken und sich dabei auszutauschen.
Ich habe auch in dem Jahr gelernt, dass alte und junge Menschen auf Hilfe angewiesen sind und man sie nicht einfach abschieben darf. Oftmals wird das Thema Altenpflege in Argentinien verdrängt, aber auch ältere Menschen gehören zu unserer Gesellschaft.
In Argentinien ist mir wirklich erst bewusst geworden, dass es in Deutschland eine andere Definition von Armut gibt. In Deutschland gibt es das Glück, dass viel Hilfe vom Staat kommt, aber in anderen Ländern, wie z.B. in südamerikanischen, Armut wirklich arm heißt und sehr sehr viele Menschen schauen müssen, wie sie den Tag überleben können. Deshalb finde ich es wichtig, dass man in Deutschland den Blick geschärft bekommt, was wirklich Armut ist. In unserer Konsumgesellschaft ist es wichtig auf manche Dinge verzichten zu können und froh sein, dass man genug zu essen hat, ein Dach über dem Kopf und die Möglichkeit zu haben eine gute Ausbildung zu bekommen oder auch eine Arbeit. Wir in Deutschland haben doch ein gutes Leben. Ich verstehe deshalb manchesmal nicht, warum viele Menschen so viel jammern und schlechte Laune verbreiten.
Deshalb ist es wichtig positiv zu denken und das beste aus schweren Situationen zu machen.
Ich habe auch mitbekommen, wie selbst in Argentinien sich mehr und mehr die Kirchenbänke leeren und weniger Leute zur Messe kommen. Deshalb finde ich es wichtig, dass die katholische Kirche sich nicht verschliesst, sondern sich der heutigen Zeit möglichst anpassen kann und sich auch verändern kann! Es ist logisch, dass auch die Kirche nicht ohne Geld existieren kann, um eine qualifizierte Arbeit in Bereichen wie: Jugendarbeit, Altenpflege, ...... leisten zu können, aber dann ist wichtig, dass die Gelder sinnvoll investiert werden!
Für mich ganz persönlich ist eine offene und positive Lebenseinstellung sehr wichtig, um Menschen ein Lächeln schenken zu können, aber auch zu schwierigen Themen oder auch Situationen eine positive Einstellung zu haben und Kraft aus dem Glauben schöpfen zu können. Es ist nicht immer einfach, doch ich möchte versuchen immer eine fröhliche Person zu sein, um so auch in schweren Zeiten Kraft zu finden und schnell wieder aus den „Löchern“ herauszukommen.
Ich weiss es gibt so viel zu erzählen und berichten und man könnte ein ganzes Buch schreiben, doch ich möchte bisher einen kleinen Einblick geben, wie es mir in der letzten Zeit ergangen ist und möchte es so belassen. Es werden auch noch ein paar Bilder auf meinen Blog kommen und ich würde mich sehr freuen, wenn noch Fragen offen sind, dann kommt einfach auf mich zu.
Mittwoch, 1. Oktober 2008
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